Buchprojekt, welche Schritte sind notwendig – Teil 2: Entwurfphase

Buchprojekt, welche Schritte sind notwendig – Teil 2: Entwurfphase

Bevor ich mit dem Schreiben anfing, war ich sehr motiviert und hatte ein sehr zielstrebiges Ziel: Im März 2018 soll das Buch veröffentlicht werden. Ich dachte, das bisschen Schreiben und Zeichnen könnte ich ganz schnell schaffen. Die Realität sah anders aus. Bis März 2018 schaffte ich nur die erste Draft-Version, welche als Meilenstein der Phase „Schreiben und Illustrieren“ gilt. Hier beschreibe ich diese Entwurfphase, welche aus 3 Unterphasen „Skizze erstellen“, „Erste Textversion schreiben“, „Illustrieren“ besteht.

Skizze erstellen: im November 2017 erstellte ich eine Grobplanung bzgl. Seitenanzahl, Format, welcher Inhalt auf welcher Seite.

Viele Kinderbilderbücher sind quadratisch. Quadratisches Kinderbuch-format finde ich auch toll: passt super in die Kinderhände und ist übersichtlich. Ich entschied mich für das Format 21 cm X 21 cm – ist nicht zu klein und auch nicht zu groß und wirkt sehr edel.

Mein Ziel war die Reichweite und nicht der Gewinn. Ich möchte das Buch günstig auf den Markt bringen, um damit mehr Käufer und folglich mehr Leser zu erreichen. Ein niedriger Verkaufspreis setzt niedrige Kosten voraus. Niedrige Kosten heißen eine hohe Anzahl an Druckexemplaren und eine geringe Seitenanzahl. Die kleinste Seitenanzahl eines Kinderbuches ist 32 Seiten, somit habe ich mich damals für 32 Seiten entschieden.

Von den 32 Seiten zieht man

  • zwei Seiten für den Umschlag,
  • vier für den Vor- und Nachsatz,
  • eine für den Impressum,
  • eine für den Autor,
  • eine für die Danksagung,
  • eine für das Haupttitelblatt ab, bleiben also 22 Seiten oder 11 Doppelseiten für den Inhalt.

Auf die 11 Doppelseiten habe ich den Text und die Bilder verteilt, d.h. die Geschichte grob auf High-level aufgeteilt, auf welche Seite welcher Inhalt kommen sollte.

Erste Textversion schreiben: Ich las viel zum Thema Storytelling. Wie gestaltet man den Plot spannend? Wie baut man Elemente wie Bedürfnisse, Spannungsbogen, Höhepunkt, Wendepunkt und Moral ein? Ich fand die „22 Schritte von John Truby“ sehr überzeugend und folgte diesen. Das Regelwerk ist zwar für Drehbücher konzipiert, passt aber sehr gut für das Geschichtenerzählen.  Es war einfach gesagt, aber nicht ganz einfach zu machen. Es hat mehr als 4 Monate gebraucht, damit die Storyline mit  Übersetzung stand. Die ersten Wochen waren zäh und mit wenig Erfolgserlebnissen, sodass ich sehr frustriert war. Wie oft habe ich das Projekt infrage gestellt! Mit der Zeit kam dann der Fluss. Ab Februar war ich in dem Thema drin und es lief auf einmal zügiger. Die erste Text-Version war Mitte März fertig.  Da war ich super stolz auf mich, den Abschnitt fertig zu haben.

Illustrieren:  Am Anfang habe ich ausprobiert, mit dem Apple Pensil und App Procreate zu zeichnen. Es ging einfach und intuitiv.  Procreate ist sehr umfangreich und bietet verschiedene Techniken, Pinselstifte und Muster an. Um vor lauten Bäumen im Wald den Weg zu finden, habe ich Youtube Tutorials angeschaut und parallel dabei geübt. Ich fing mit dem Zeichnen des Tigers an. Am Anfang war mein Tiger auch kein Tiger, sondern ein Löwe, dann eine Miezekatze: zu viele Haare, zu breite Schulter, zu große dann zu kleine Schnauze. Nach unzähligen Änderungen wurde der Tiger auch zum Tiger. So ähnlich entwickelten sich auch die anderen Bilder. Mit viel Übung kam ich in Fahrt.

Viele Bilder entstanden aus meiner eigenen Selbstaufarbeitung wie die Reisfeldillustration. Meine erste Reise nach Vietnam, seit ich in Deutschland lebte, war 1997, um bei meiner Großmutters Beerdigung dabei zu sein. Ich flog damals mit 19 Jahren allein, da meine Eltern arbeiten mussten. Ich war unsicher und wusste nicht, was mich dort erwartete. Mein Vietnamesisch war auch nicht gut, weil ich bis dahin in Berlin nur deutsche Freunde hatte. Glücklicherweise holten mein Onkel und meine Tante mich vom Flughafen ab. Das Wiedersehen war sehr emotional. Auf dem Weg vom Flughafen nach Hanoi saß ich hinten im Auto und beobachtete die Landschaft. Die weiten Reisfelder mit den Bergen im Hintergrund haben mich so umgehauen: die grüne Farbe der Jungreispflanze war so zart und so wunderschön, die Bauern mit ihrem Kegelhut, die langsamen Wasserbüffel strahlten Ruhe und Harmonie aus, der Himmel spiegelte sich im Wasser des Reisfeldes wider. In diesem Moment überkam mich ein nicht beschreibbare Glücksgefühl, was ich noch nie hatte. Ich glaube, das war für mich Heimatliebe. Dieses Gefühl habe ich bis heute immer noch, wenn ich vom Flughafen Not Bai nach Hanoi fahre. Das Reisfeld-Bild in meiner Erinnerung wollte ich darstellen.

Die Bauernhof-Illustration spiegelte meine Erinnerung an das Haus meiner Großeltern aus meiner Kindheit wider. Meine Großeltern lebten in dem Vinh Phuc Provinz, welche ca. 60 km von Hanoi entfernt ist. Auf  dem Grundstück meiner Großeltern standen 2 Lehmhäuser nebeneinander: ein Haus zum Wohnen und ein Haus zum Kochen.

Es gab auch viele Illustrationen, die ich gezeichnet und doch nicht in dem Buch abgebildet habe, wie die untere Illustration.

Nachsatz, was kein Nachsatz wurde

Die erste Draft-Version auf allen drei Sprachen mit den Illustrationen war im März 2018 fertig. Das Ziel der Übersetzung wurde zwar erreicht, die Texte aber klangen noch nicht fließend und wohlklingend, am wenigsten der vietnamesische Text. Die Grundlage ist da, es muss aber noch verbessert werden. Nun folgte die Phase Finalisierung, was ich im nächsten Beitrag beschreibe.

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